Als Auftakt unseres Chamonix Urlaub haben wir direkt das gute Wetter ausgenutzt um eine leichte Hochtour zu machen. Der Aguille du Tour ist 3542m hoch (Südgipfel) und im Hochtourenführer Westalpen mit Facile (einfach) eingestuft. Eine ideale Einsteigertour also. Auch wenn man mit guter Fitness und sehr frühem Aufstehen den Gipfel sicher auch an einem Tag machen könnte, haben wir uns für eine klassische 2 Tages Tour entschieden.

Die Tour startet im Talort Le Tour auf 1470m, dort gibt es auch einen großen kostenlosen Parkplatz.

Der Aufstieg zum Refuge Albert I

Man kann sowohl ein Stück mit der Gondel zum Col de Balme auf 2210m hinauf fahren und dann bis zur Hütte auf 2702m wandern oder vom Tal aus laufen. Wir haben uns fürs Laufen entschieden. Anfangs besteht der Weg noch aus breiteren Wegen, je höher man hinauf steigt, desto schmaler und alpiner werden sie. Von Beginn an begleitet einen der grandiose Ausblick auf den Glacier du Tour mit seinem imposanten Gletscherende.

Ab dem Stück, wo sich die beide Wegvarianten treffen, wurde es merklich voller. Die Hütte ist wohl auch ein beliebtes Tagesziel bei Wanderern. Uns fiel auf, dass sehr auch sehr viele Familien mit Kindern unterwegs waren. Verständlich, der mit nur 500hm relativ einfache Weg bis zu einem Gletscher ist natürlich sehr lohnenswert und für Kinder bestimmt spektakulär. 

Die letzten Meter zur Hütte sind nochmal etwas steiler und felsiger, aber man darf nicht vergessen, dass man sich hier bereits im hochalpinen Gelände bewegt. Oben angekommen, ist der Ausblick von der Terrasse wirklich beeindruckend. 

Wir haben durch den Talaufstieg etwa 1200hm hinter uns gebracht und waren inkl. Trinkpausen in 3:15 Std auf der Hütte. 

https://www.strava.com/activities/3955145527

Wir waren noch nie auf einer französischen Hütte und dementsprechend gespannt, was uns erwarten würde.

Die Hütte entdecken

Der Eingang der Hütte führt erstmal in einen Raum, wo man Schuhe und sonstiges Material in Boxen verstauen und im Regal bis zum nächsten Tag aufbewahren kann. Zwei Etagen höher befindet sich der große Raum, in dem die Anmeldung und der Speisesaal ist. Bei der Anmeldung wird man einem Zimmer zugewiesen und gefragt, ob man abends normal oder vegetarisch (ob auch eine vegane Möglichkeit angeboten wurde kann ich mich nicht mehr erinnern) essen möchte. Ebenso muss man angeben, um wieviel Uhr man am nächsten Tag frühstücken und aufbrechen möchte. Dann bekam man noch ein Einmal-Stofflaken, was quasi als Bettbezug dienen sollte. Ob dies ein Corona-Special war oder ob das dort immer so ist, kann ich leider nicht sagen. 

Die Zimmer/Lager befanden sich nochmals eine Etage höher. Das Lager hatte 5 Stockbetten und wir waren die Ersten, so dass wir noch freie Auswahl hatten. Wir zogen direkt zu den zwei obersten Betten am Fenster, von wo man einen tollen Blick über die Gletscherlandschaft hatte. 

Toller Blick aus dem Zimmerfenster

Nach kurzer Zeit füllte sich das Zimmer immer mehr und letztendlich waren alle 10 Betten belegt – anscheinend gab es keine Regelungen, dass nur ein Teil der Betten wegen Corona belegt werden durften. Allerdings waren Holzbretter als Trennung in Kopfhöhe der Betten angebracht. Wenn aber 10 Leute in einem Raum schlafen und man nur zwei kleine Fenster kippen kann, kann man sich die Abtrennungen auch sparen. 

Französische Gepflogenheiten

Abendessen gab es um 18:30 Uhr. Im Speiseraum hatten sich nach und nach die Tische gefüllt. Es sah so als als wäre die Hütte voll belegt. In Österreich hätte es sowas in diesen Zeiten wohl eher nicht gegeben. 

Auf einmal wurden kleine Zettel an den Tisch geklebt und das große Gewusel ging los. Erstaunt schauten wir auf die Zettel und dort war verzeichnet, wer an welchem Tisch platziert wurde. Hatte ein bisschen was von Reise nach Jerusalem, nur dass jeder am Ende wieder seinen Platz hatte. 

Zunächst wurde eine riesen Schlüssel Gemüsesuppe auf den Tisch gestellt, aus der sich der gesamte Tisch bedienen konnte. Als Hauptgang wurde eine große Platte mit Fisch und mediterranem Gemüse, dazu Reis serviert. Auch hier waren die Portionen wirklich großzügig bemessen und es war super lecker. Da bei den Franzosen ein Dessert nicht fehlen darf, gab es noch ein Stück Kuchen zum Abschluss. Im übrigen wurden Karaffen mit Wasser auf den Tisch gestellt, ohne dass man nochmal etwas bestellen musste. 

Gut gestärkt zogen wir uns alsbald auf die Zimmer zurück, genossen noch einen schönen Sonnenuntergang und freuten uns auf den nächsten Tag. 

Die Tour kann starten

Der Wecker klingelte um 5 Uhr. Das Frühstück war typisch französisch, etwas Weißbrot, Marmelade, Kaffee, aber es gab auch etwas Honigbrot, Obst und Müsli. 

Kurz vor 6 Uhr brachen wir auf. Klettergurt und Helm hatten wir bereits angezogen, da es nur ein kurzes Stück über einen schmalen Pfad und Felsen gehen sollte bevor dann der Weg über den Gletscher beginnt. 

Bis wir am Gletscher angekommen waren, war es bereits so hell, dass wir die Stirnlampen nicht mehr brauchten. Also Steigeisen an und weiter ging’s. Die Spur war ziemlich ausgetreten und lief genau so wie es im Tourenführer beschrieben war. Wir haben uns direkt angeseilt aber auf diesem Part waren so gut wie keine Spalten zu sehen, ein, zwei kleinere Löcher aber nichts beunruhigendes. 

Nach einer Weile kamen wir zum Col superieur du Tour. Beim Aufstieg am Vortrag hatten wir zwei Deutsche getroffen, die uns kurz von den Verhältnissen berichtet hatten und bereits sagten, dass die Passage den Col rauf ausgeapert sei. 

Wir sahen also, wie sich vor uns die Seilschaften teilweise abmühten hoch zu kraxeln. Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Col hochzuklettern und wir haben erstmal eine nicht so gut zu gehende Route erwischt. Also hieß es nochmal ein kleines Stückchen abklettern und eine bessere Route nehmen. 

Die Überschreitung des Cols hatte uns doch etwas mehr Zeit als gedacht gekostet aber insgesamt waren wir noch gut in der Zeit. 

Nach dem Col ging es direkt auf dem Glacier Du Trient weiter. Man umrundet die Aguille Purtscheller und sieht bereits die Gipfel des Aguille du Tour. Nun sind nur noch der Bergschrund und ein paar Höhenmeter zu überwindenden bevor man am Fuße der Felsen ankommt. 

Hier konnte man die Steigeisen ausziehen und samt den Stöcken deponieren, da nun die Kletterei anfängt. Der Führer beschreibt die Passage mit Stellen bis zum 2. Schwierigkeitsgrad. Zunächst geht es recht einfach, mehr gehend als kletternd hinauf, am Ende kommen dann die teilweise ausgesetzten 2er Stellen. 

Oben auf 3542m angekommen erwartet einen ein tolles Panorama über das Mont Blanc Gebiet und in die Schweizer Berge. 

Bis zum Gipfel sind von der Hütte aus etwa 800hm zu überwinden.

Es geht zurück

Nach einer kurzen Pause und Stärkung ging es auf dem gleich weg wieder nach unten. Da mir das abklettern, noch dazu mit großem Rucksack noch nicht so liegt, sicherte mich Paul ein paarmal von oben. 

Der Weg über den Gletscher zurück ist einfach, nur das kleine Stück den Col hinunter war nochmal etwas kniffliger und kostete Zeit. 

Da wir bis ins Tal absteigen wollten, machten wir zurück an der Hütte nur nochmal kurz Pause um dann den direkten Weg ins Tal zu nehmen. Hier läuft man zunächst ein felsiges und steiles Stück hinunter bevor man dann fast in eine dschungelähnliche Landschaft eintaucht, um wieder an der Talstation in Le Tour ausgespuckt zu werden. 

Der Abstieg ist mit insgesamt 2000hm Abstieg ein wenig kräftezehrend, mit den Bergstiefeln und Rucksack nicht zu unterschätzen. Wer sich das sparen will, kann aber auch wieder von der Hütte zur Gondel laufen und gemütlich ins Tal schweben. 

https://www.strava.com/activities/3959020337

Fazit

Die Hochtour ist wirklich lohnenswert. Sie ist für Anfänger gut geeignet, aber auch um sich zu Akklimatisieren wenn man weitere Touren im Mont Blanc Gebiet plant. 

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...rennt wie der Name schon verrät gerne über die Trails im beheimatetetn Taunus. Ist ebenso gerne auf dem Rennrad unterwegs und hat ein Faible für hohe Berge. Auf ihrem INSTAGRAM-Profil https://www.instagram.com/verenaimtaunus/ seit ihr immer up to date.

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