Einen eigenen Boulderkeller oder eine Kletterwand irgendwo im Garten, ach wäre das cool. Ich habe mir eine eigene Boulderwand in den Keller gebaut und wie ihr das selbst auch machen könnt erfahrt ihr hier unten im Text.

Wer träumt eigentlich nicht von einer eigenen Boulderwand im Keller. Ich hatte den Gedanken schon sehr lange aber irgendwie ließ es sich bisher nicht umsetzen. In der Altbauwohnung war die Deckenhöhe genial, die Wandbeschaffenheit jedoch fürchterlich. In der nächsten Wohnung hatte ich Dank einiger Schrägen tolle Ideen aber irgendwie war für die Unterkonstruktion der Klettergriffe doch kein Platz. Der nächste Umzug musste her und jetzt war es soweit. Ich hatte einen Raum um meine Boulderwand zu bauen. Es konnte losgehen mit meinem Projekt Boulderkeller.

Von der Idee eine Boulderwand oder Kletterwand zu bauen

Da stand ich nun in meinem Keller und hatte keine Ahnung wie ich am besten anfangen sollte. Also ein paar Inspirationen im Netz geholt. Einen befreundeten Schreiner habe ich auch zu meinem bevorstehenden Boulderwand Eigenbau befragt. Nur eigentlich war meine fertige Wand schon im Kopf. Ich musste Sie eben nur noch bauen. Also ging es eher um den Aufbau einer soliden Unterkonstruktion mit gescheitem Material.

Boulderwand bauen: Was wird benötigt?

Bevor ich jedoch beginnen konnte musste die Materialliste und das passende Werkzeug her. Aus meiner Erfahrung kann ich euch jetzt genau sagen was ihr dafür benötigt und könnt euch so den ein oder anderen extra Gang zum Baumarkt sparen.

Das Material habe ich verwendet

Erstes Gebot: Nicht am Material sparen!
Ihr wollte euch ja später drauf verlassen können das die Boulder oder Kletterwand hält was Sie verspricht. Wenn euch da was ausreißt ist der Spaß schnell vorbei und Geld hat es trotzdem gekostet.

  • Konstruktionsvoll Holz 60 x 40
  • OSB-Platte 22mm
  • Langschaftdübel SXR 8 x 120 T, 50 Stk.
  • Winkelverbinder
  • Flachverbinder
  • Balkenschuhe
  • Spax Torx Senkkopfschrauben
  • Einschlagmuttern M10
  • R11 Antirutschlack

Das richtige Werkzeug für den Boulderwandbau

Ich hatte nicht direkt immer das richtige Werkzeug zur Hand und musste so etwas improvisieren. Wenn ich gleich alles vor Ort gehabt hätte, wären einige Schritte beim Bau der Boulderwand bestimmt leichter und genauer gelungen. Also schaut das ihr alles parat liegen habt, es erleichtert doch einiges.

  • Zollstock
  • Hammer
  • Schraubenzieher
  • Wasserwage
  • Schmiege
  • Akkuschrauber
  • Schlagbohrmaschine
  • Handkreissäge
  • Kappsäge
  • Wasserwaage

Planung? Wird total überschätzt

Da ich meine Boulderwand in den Keller bauen wollte und mit einer Deckenhöhe von nur 2.13 m auskommen musste, war auch Dank meiner vorherigen Recherche im Internet schnell klar, ich kann nur in die Breite gehen. Durch unterschiedliche Schrägen links und rechts und eine Art Würfel wollte ich so eine größere Herausforderung schaffen.

Ganz “Ohne” Planung geht es dann doch nicht!

Ich kann euch nur raten schaut euch ganz viel an. Ideen findet man fast überall. Ich habe mich durch den schier unentlichen Jungle aus DIY Kletterwänden und Boulderräumen auf Pinterest durchgeklickt.

Ihr solltet euch überlegen für welche Trainingsschwerpunkte ihr die Wand bauen wollt. Hier spielen dann die Breite, Neigung und natürlich euer Geldbeutel eine große Rolle. Für den Fall das ihr euch doch unsicher seit, fragt lieber bei einem Fachmann nach ob eure Konstruktion das hält was ihr euch davon versprecht. Das kann der Schreiner vor Ort oder auch eine Professionelle Firma für Kletterwandbau sein.

So lasset die Materialschlacht beginnen

Lange genug über Werkzeug und Material gesprochen. Jetzt lassen wir Holzspäne fliegen und Löcher müssen gebohrt werden.

Griffe, Crashpads und Zubehör für den eigenen Boulderraum

Ich baue mir einen Würfel als Dach

Für den Würfel habe ich zuerst die 6 Konstruktionshölzer auf die passende Höhe zugeschnitten und mit den Langschaftdübeln an der Wand befestigt. Im nächsten Schritt kam das Untergestell für den Würfel dran. Die Auflage an der Wand wurde wie zuvor bei den Konstruktionshölzern an die Wand gedübelt. Der Würfelteil, der in den Raum hinein ragt ist mit Balkenschuhen und Winkeln verschraubt.

Querstrebe an der Wand
  • Oben mit Flachverbinder
  • Unten mit Winkel
Verstrebung für oben
  • Winkel zur Mitte
  • Flachverbinder seitlich nach innen
  • oben wieder mit Winkel und Flachverbinder

So ist der “noch” luftige Würfel zwar recht instabil, dass ändert sich aber wenn die Verkleidung mit den OSB Platten dran kommt.

Lochraster für den Würfel

Die zurecht geschnittenen OSB Platten müssen jetzt noch mit den Einschlagmuttern bestückt werden. Hier könnt Ihr euch ein beliebiges Lochraster in die Platten einbohren. Dabei ist natürlich darauf zu achten das die Einschlagmuttern später nicht über irgendwelchen Querstreben liegen oder sonst irgendwie blockiert werden. Sonst habt ihr später Probleme eure Griffe einzuschrauben. Ich habe das extra für euch getestet und kann nun sagen macht es lieber gleich richtig.

Die Boulderwand Unterkonstruktion mit unterschiedlichen Winkeln

Da ich ja mit der Höhe nicht sonderlich gesegnet bin mußte ich etwas kreativer werden und habe meine beiden Hauptwände mit unterschiedlichen Schrägen gebaut. Durch den so gewonnenen erhöhten Schwierigkeitsgrad bekomme ich die Unterarme auf meinen Wegen von links nach rechts auch ganz gut zum brennen.

Winkel bestimmen – wie bin ich da ran gegangen

Ganz ehrlich! Ich habe mir eine OSB Platte genommen und rum probiert bis es mir gefallen hat. Klar hätte ich die Winkel für die Unterkonstruktion einfach bestimmen können aber ich muß Sachen einfach sehen. Gut, wie die Wand jetzt aussehen sollte wußte ich und durch meinen Test habe ich die für mich passende Schräge über die Wandbreite an der Decke angezeichnet. Jetzt konnte ich die vorgeschnittenen Konstruktionshölzer mit meinen lieb gewonnen Langschaftdübel an der Decke montieren.   

Drei Konstruktionshölzer links und vier Konstruktionshölzer rechts im gleichen Abstand fix an die Wand gedübelt schon war der nächste Arbeitsschritt geschafft.

Platz für Klettertritte – Das Kickboard

Für Klettertritte reservierte ich mir einen waagerechten Teil mit einer Höhe von 32,5 cm. Dieser musste natürlich auch direkt schon mit Einschlagmuttern gespickt werden. Denn jetzt ging es an den Hauptteil.

Schräg, schräger am schrägsten. Welcher Winkel soll es sein?

Im nächsten Schritt kam die Unterkonstruktion für die Boulderwand dran. Die Konstruktionshölzer konnte ich auf der angebrachten Platte für die Tritte aufsetzen und oben am Deckenbalken anlegen. Unten hatte ich es jetzt einfach und musste nur eine Markierung auf dem Holz ziehen, absägen und so kam ich auf einen Winkel von 20° bzw. 10° Grad. Diesen Vorgang wiederholte ich (ihr werdet es schon vermuten) sieben mal und die Unterkonstruktion meiner Boulderwand war fertig. Ok anbringen musste ich Sie ja auch noch mit einigen Schrauben aber das ging recht fix. Um zusätzlich Stabilität zu bekommen habe ich mich entschlossen noch ein paar kurze Querstreben aus den vorhandenen Resten einzubauen.

OSB-Platten von Lochrastern und anderen Scharmützeln

Die OSB-Platten kamen nun an die Reihe. Irgendwie verließ mich so langsam die Motivation ich wollte ja auch fertig werden. Das Ausmessen wurde so mit gutem Augenmaß ersetzt. Jetzt im Nachhinein hätte ich mir doch ein paar Minuten mehr Zeit gönnen können. Aber “EGAL”.

Lochraster der Boulderwand

Um ein möglichst einheitliches Lochraster zu bekommen, bin ich hingegangen und habe mir einen großen Karton als Vorlage gebastelt.

  • Lochabstände 15 cm
  • Versatz 7,5 cm

Platte für Platte angezeichnet und gebohrt. Jetzt kamen die Einschlagmuttern wieder an die Reihe. Mutter für Mutter habe ich in die Platten getrieben, nachgebohrt, neu angesetzt bis schlussendlich 394 Muttern ihren Platz gefunden hatten.

Boulderwand beschichten, muß das sein?

Nein, ich brauche sowas nicht.

Ob ihr eure Boulderwand zu hause streicht oder nicht liegt ganz allein bei euch. Sicherlich kann man die OSB-Platten einfach so lassen wie Sie aus dem Baumarkt kommen, dabei ist nur zu beachten das ihr euch den ein oder anderen Splitter einfangen werdet. Abschleifen kommt einem da natürlich direkt in den Sinn, birgt aber die Gefahr das man zu sehr das Schleifpapier rotieren lässt und die Wand extrem glatt wird. Auf Reibung zu gehen ist dann selbst mit dem besten Schuh nur noch bedingt möglich.

Ja, ich will Farbe in die Bude bringen.

Einfach streichen geht natürlich auch. Ist zudem recht kostengünstig und es kann beinahe jede Holzlasur verwendet werden. Richtig professionell wird es allerdings erst mit einer Farbe oder Lack die eine ähnliche Körnung wie wir Sie aus der Kletter.- oder Boulderhalle um die Ecke kennen. Wenn die Farbe auch noch eine Rutschhemklasse R11 aufweist seit ihr sehr professionell unterwegs (zur Not reicht bestimmt auch eine Hand voll Quarzsand im normalen Farbtopf) und eure Boulderwand erhält das Tüpfelchen auf dem I. Diese Farben gibt es nicht überall und können sehr teuer werden. Bei meinem verwendeten Lack musste ich zudem die restliche Familie 2 Tage zu den Schwiegereltern ausquartieren, da der Lack dermaßen gestunken hat das man es kaum aushalten konnte. Ob meine Lebenserwartung durch diesen eingeatmeten Dunst nun gesunken ist weiß ich nicht aber für die Kletterwand hat es sich mehr als gelohnt.

Klettergriffe an der Boulderwand anschrauben

Die Wand steht, alle zugeschnittenen Panäle sind angebracht dann geht es ans Routen schrauben.
Ich habe für die Wand verschiedene Griffe von verschiedenen Herstellern verwendet. Wichtig war mir eine möglichst große Flexibilität in dem was ich Bouldern kann.
Aktuell sind drei vollständige Routen angeschraubt, die von links nach rechts und auch von rechts nach links geklettert werden können.

In der gelben Route baue ich ab und an sogar mein Trainingsboard mit ein um noch mehr Abwechslung ins Bouldertraining zu bringen.

Für den kleinen Überhang, bestehend aus meinem Würfel, habe ich vier Henkel verbaut um von dort aus dynamische Züge nach oben oder zur Seite durchzuführen.

Angeschraubt sind bei mir
  • Leisten
  • Zangen
  • Henkel
  • Tritte
  • Sloper

Fallschutz: Crashpad vs. Matratze?

An dieser Frage kann man sich ewig aufhalten. Deswegen möchte ich es kurz machen. Ich hatte bereits ein kleines Crashpad. Um meine Sturzfläche aber komplett auslegen zu können nah ich eine alte Matratze als weiteren Schutz. Bereits nach den ersten paar Stürzen war klar das die Matratze zu weich war und ich den Boden darunter doch öfter zu nah kam als ich eigentlich wollte.

Soll heißen: entweder viele Matratzen oder ein richtiges Crashpad mit zwei– oder drei Schichten aus Schaumstofflagen. Die Frage muß natürlich auch über den Geldbeutel gestellt werden. Denn ein Crashpad kann schnell ein paar Hundert Euro kosten.

Ganz auf die Schnelle und Kosten

  • Größe der Boulderwand = ca. 9,75 m²
  • Würfel:
    1,07 m * 1,26 m links unter Würfel    
    0,80 m * 1,26 m rechts unter Würfel
    0,80 m * 1,07 m Unterseite Würfel
    0,75 m Höhe von Würfel
    116 Einschlagmuttern
  • Linke Wand:
    2,16 m * 1,43 m
    107 Einschlagmuttern
  • Rechte Wand:
    2,23 m * 1,98 m
    171 Einschlagmuttern
  • Materialkosten = 465,24 Euro

Nützliche links

Schluß

Tatsächlich habe ich den Boulderkeller nie irgendwo aufgezeichnet um in irgendeiner weise eine Hilfestellung zu haben. Einzig die Maße habe ich mir notiert und damit kam ich hervorragend zurecht. Im Nachhinein lässt sich sagen wenn ich einen detaillierten Plan gehabt hätte, wäre ich vielleicht schneller fertig gewesen. Wobei vielleicht säße ich jetzt immer noch vor dem Plan und würde überlegen was noch fehlt.

Wenn ihr jetzt Fragen haben solltet und euch irgendetwas nicht klar ist schreibt es gerne in die Kommentare. Soweit ich kann helfe ich gerne und jetzt wünsche ich euch viel Spaß bei eurem eigenen Boulderwand Projekt.

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1 Comment

  1. Claudia Dähler Reply

    Vielen lieben Dank für die Anregung und deine Unterstützung beim Bau meiner Boulderwand. Du hast mir sehr geholfen und ich bin mächtig Stolz auf das Ergebnis. LG Claudia

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