[Anzeige: Das Rezensionsexemplar wurde mir kostenlos zur Verfügung gestellt.]

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ünktlich zur Wintersaison im Himalaya ist bei mir wieder ein tolles Buch mit dem Thema Höhenbergsteigen im Briefkasten gelandet. Diesmal ist es kein Geringerer als Simone Moro der von seinen abenteuerlichen Bergfahrten an den höchsten Gipfeln der Erde erzählt.

 

Worum geht’s denn?

Der Titel verrät es bereits. Hauptsächlich dreht sich die Geschichte um einen ganz bestimmten Berg, nämlich keinen geringeren als den Schicksalsberg der Deutschen! Der Nanga Parbat soll bestiegen werden. Tja, wenn das dann noch nicht genug Ansporn ist, versucht man eben den neunt höchsten Berg der Erde mit seinen 8.126 Metern im Winter zu erklimmen. Genau das hat sich der Extrembergsteiger Simone Moro in den Kopf gesetzt. Simone Moro - Nanga im Winter

Alle guten Dinge sind drei, oder?

Moro erzählt in seinem Buch von der Faszination Nanga Parbat und der zusätzlichen Herausforderung des Höhenbergsteigens im Winter. Ok, soweit verstanden aber ein ganzes Buch mit fast 300 Seiten zu füllen dürfte doch recht langweilig und eintönig werden, oder?

Wer das denkt ist aber völlig falsch gewickelt. Der Berg sieht bei jeder Expedition anders aus und verlangt den Bergsteigern alles ab. Den ersten Kontakt mit dem Nanga Parbat hatte Moro 2003. Dabei gelingt ihm zusammen mit seinem Seilpartner Jean-Christophe Lafaille (mit dem es wohl im Nachgang der Tour ein wenig Knatsch gab) eine Neuroute die auf einer Höhe von ca. 7000 Meter in die bestehende Kinshofer-Route übergeht. Der Gipfel wird in dieser Saison von Moro leider nicht erreicht, oder war es vielleicht sogar besser so?Simone Moro - Nanga im Winter

Denn jetzt ist der Abenteuerlust des Extrembergsteigers fast keine Grenze mehr gesetzt. Moro versucht in den folgenden Saisons dem Killer Mountain, wie er auch genannt wird, seine erste Winterbegehung überhaupt abzuringen.

Das erste Mal Nanga im Winter 2012

Es sollten neun Jahre ins Land ziehen bis sich Moro zusammen mit seinem Freund Denis Urubko an den Nanga im Winter wagt. Der Versuch den Berg über die Messner-Route zu besteigen scheitert an den extremen Bedingungen die in dieser Saison herrschten.

Es wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern, Temperaturen von -40 Grad gemessen, dazu kamen Schneefälle die mit Europäischen in keinster Weise zu vergleichen sind. Als auch bei mehreren Telefonaten mit Karl Gabel in Innsbruck keine Wetterbesserungen in Sicht waren blieb den Beiden keine andere Möglichkeit als das Basislager zu verlassen.

Auf der Schell Route 2014

Neues Jahr, neuer Seilpartner, andere Route und schon wieder kein Glück. Diesmal mit der Erfahrung von vor zwei Jahren versucht sich Simone Moro zusammen mit dem deutschen Bergsteiger David Göttler an der Schell-Route, die sich auf der Rupalflanke des Berges befindet. Moro’s Buch fasziniert hier nicht nur durch die Besteigungen, er läßt eben auch das komplette Leben am Berg einfließen.


Durch seine persönlichen Eindrücke kann man während des Lesens in jede Situation super eintauchen und fühlt sich fast so als wäre man selbst dabei gewesen.

So erging es mir, als Moro von einer Gletscherspalte berichtet, die er sich mit zwei Mitgliedern einer polnischen Expedition als Lager teilte. Ein Kopfschütteln und Schmunzeln konnte ich mir nicht verkneifen. Mehrere Gipfelversuche wurden unternommen aber auch in diesem Winter ging es sich für den sympathischen Italiener nicht ganz aus.

Expedition zusammen mit Tamara Lunger 2016

Neues Jahr, neue Seilpartnerin, andere Route und ach seht es euch am besten selbst an!

Video zur Besteigung des Nanga Parbat im Winter 2016

https://www.youtube.com/watch?v=KncxLCgkvtk

Zusammen mit der Südtirolerin Tamara Lunger will es Moro in dieser Saison wissen. Das glückliche Ende ist bekannt aber was bei dieser Expedition oder eigentlich sind es fast zwei Expeditionen alles passiert lest ihr euch lieber selbst durch.

Denn die letzten Kapitel um die Besteigung des Nanga Parbat im Winter 2016 haben durchaus filmreifes Potential. Hier gibt es auch ein wenig Kritik von mir. Im Gegensatz zu den vorherigen Kapiteln kommt der Autor ein Stück weit von seinem Erzählstil ab. Es wirkt nun alles viel dramatischer, lebensgefährlicher, was es bestimmt auch war, aber wie schon gesagt vorher wurde angenehmer, in zurückhaltender Art und Weise berichtet.

Das schmälert das Gesamterlebnis bei diesem Buch wenn überhaupt nur ein klitzekleines bisschen.

Nebenschauplätze | Es muss nicht immer nur um Berge gehen

Es geht aber nicht nur um die reine Besteigung des zu Stein gewordenen Riesen. Moro lässt sich Zeit den Leser auch an Nebenschauplätzen teil zu haben. So berichtet er von seinem Vorhaben eine Krankenstation in einem Dorf eröffnen zu wollen, die er Später auch besucht.

Das Moro nach einer der ersten Reisen zum Nanga Parbat im nahen Umfeld des Basislagers einen Unterschlupf für die Hirten bauen lässt (da der Alte fast am Einstürzen ist) macht ihn von Anfang mehr als sympathisch.

Seit 2010 ist der Alpinist auch im Besitz einer Lizenz zum Heli fliegen. Kurz darauf heuerte er bei einer Helikopterfirma in Nepal an und flog Transport und Rettungseinsätze. Daraus entstand der Wunsch eine eigene Firma für die Region aufzubauen. Moro berichtet von der Idee und dem Kauf seines ersten Helikopters genauso enthusiastisch wie er es eben auch bei seinen geliebten Bergen macht.

PRO

  • offener Erzählstil
  • kommt ohne zu detailverliebt zu sein aus
  • spannend bis zum Schluß

CONTRA

  • ein paar Bilder mehr wären schön gewesen

FazitSimone Moro - Nanga im Winter

Man hat während des Lesens von Simone Moro – Nanga im Winter stets das Gefühl dass es ihm nicht um nackte Zahlen und die Besteigungen geht. Vielmehr genießt er das Leben auf seinen Expeditionen. Er ist bei all seinen Unternehmungen mit Feuer und Flamme dabei und das hat er eindrucksvoll in sein mittlerweile siebtes Buch übertragen können.

Über Seilgefährten, Partner und andere Expeditionen berichtet er stets positiv. Selbst wenn es mal zu Meinungsverschiedenheiten kommt (neue Route mit dem Franzosen Jean-Christophe Lafaille).

Moro schafft es durch seine lockere italienische Art eine Dramaturgie aufzubauen die über weite Strecken ohne große Superlative (abgesehen von einer Ausnahme) auskommt.

Beim lesen spürt man förmlich Moro’s Leidenschaft. Egal ob die Expeditionen gerade erst am Anfang stehen, er im Basislager sitzt oder sich mitten in der Wand wegen der widrigen Wetterbedingungen in einer Gletscherhöhle verkriechen muss. Seine Euphorie überträgt er auf den Leser in einer lockeren Art und Weise.

Simone Moro
Nanga im Winter

Eine Geschichte von Ehrfurcht, Geduld und Willenskraft
288 Seiten
25 farb. Abb.
15 x 22,5 cm
Tyrolia-Verlag 2017
ISBN 978-3-7022-3623-6
EUR 24,95

NÜTZLICHE LINKS

Anmerkung: Vielen Dank an den Tyrolia Verlag sowie text-alpin, die mir das Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt haben, was das Fazit natürlich nicht beeinflusst hat.

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Author

... liebt die Berge. Am liebsten verbringt er Zeit beim Wandern, Bergsteigen oder auf zwei Brettern im Schnee. Im heimischen Taunus auch gerne mit dem MTB und beim Trailrun unterwegs.

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