Zuletzt aktualisiert am 8. Juni 2026

Freitag Abend meine Tasche ist gepackt, der Laufrucksack gefüllt und Morgen geht es in aller Frühe los: Auf nach Ebermannstadt zum diesjährigen Ultratrail fränkische Schweiz UTFS – Speedtrail.

04:45 Uhr: Der Wecker meiner Fenix 7 brummt am Handgelenk. Ist ja nur knapp 30 Minuten früher als sonst, denke ich mir, aber okay. Schnelles Frühstück, ab ins Bad und schon geht es in Richtung Bahnhof. Es dämmert bereits, das Wetter ist traumhaft: kalte, klare Luft und kaum Wolken am Himmel. Herrlich wie sich der Taunus wieder präsentiert!

Mit der Bahn nach Ebermannstadt

Mittlerweile stehe ich am Bahnsteig, denn meine Reise in die Fränkische Schweiz trete ich mit dem Zug an. Abfahrt ist um 05:56 Uhr. Über Frankfurt und Würzburg werde ich Station für Station bis nach Ebermannstadt kutschiert. Je näher ich an den Ort des Geschehens komme, desto mehr verändert sich das Publikum in der Regionalzug. Das „normale“ Bahnpublikum tauscht sich langsam gegen Menschen mit Sporttaschen, kurzen Hosen, Stöcken und Trailrunningschuhe aus. Ich schaue immer mal wieder in den Livestream des UTFS, denn die Läuferinnen und Läufer der ULTRA-Distanz sind bereits auf den Trails unterwegs.

Die Spannung steigt so langsam. Endlich geht es raus aus dem Zug und rüber zum Marktplatz, der das Epizentrum des UTFS bildet. Alles ist hier perfekt beschildert und gut erreichbar. Fix die Startnummer abgeholt und umgezogen, denn in gut 30 Minuten ertönt der Startschuss zum Speedtrail. Dann heißt es: 33 km mit stolzen 1400 Höhemeter zu bewältigen.

Ich habe vor dem Start noch kurz Zeit, halte Ausschau nach bekannten Gesichtern und treffe prompt Marcel mit seiner Familie. (Spoiler: Marcel wird nachher ziemlich weit vorne im Teilnehmerfeld landen!) Kurz darauf treffe ich noch die anderen Mädels und Jungs vom Team Taunus.run – schließlich trage ich heute stolz unser Vereinstrikot. Wir fachsimpeln noch ein wenig über die Strecke und machen ein paar Fotos, bevor es ernst wird.

Startschuss zum UTFS Speedtrail

Aufstellung – und ab geht die Lutzi durch die Fränkische Schweiz. Ich rolle mit dem Feld raus aus der Stadt unten am Flussufer der Wiesent entlang in den ersten Anstieg.

Stöcke raus – Tempo finden und bloß nicht zu schnell hier nach oben ziehen, denke ich mir und bin eigentlich ganz gut unterwegs. Der Puls ist ähnlich hoch wie die Begeisterung, hier bei diesem Event überhaupt dabei sein zu dürfen. Denn die Anmeldung für den Ultratrail Fränkische Schweiz habe ich mitten in der Nach kurz vor dem Start des Oberaudorf-Trailfestivals vorgenommen. Und das war schon ein nervenaufreibendes Unterfangen.

Aber heute will ich unbedingt diesen verdammt coolen Finisher-Stein des UTFS im Ziel in den Händen halten!

Durch die Trails

Oben angekommen wirds richtig flowig. Durch herrliche Singletrails gehts dahin. Mal etwas runter, dann wieder ein wenig hoch. So wie man es sich wünscht. Ich bin ganz gut drin in diesem UTFS. Die anfängliche Nervösität ist komplett verflogen, meine kleine Gruppe läuft absolut homogen. Die Führungsarbeit wechselt hin und her, ich fühle mich wohl und habe mega Spaß. Meine Gedanken kreisen, und ich erwische mich an einigen Stellen sogar bei der Überlegung, dass so ein Trailwettbewerb doch auch bei uns im Taunus realisierbar sein müsste…

Als wir aus dem angenehm temperierten Wald hinaus auf das offene Feld laufen, schlägt die Hitze an diesem späten Aprilwochenende das erste Mal ordentlich zu. Ich nuckele an meiner Flask und blicke auf die bunte Läuferschlange vor mir auf der Strecke. Ganz langsam schleicht sich die Vorfreude auf die erste Verpflegungsstation (VP) in meinen Kopf.

Auf den letzten Metern hinauf zum Verpflegungspunkt im beschaulichen Örtchen Trainmeusel werden meine Mitläufer und ich von einigen Zuschauern und Helfern mit lautem Glockengeläutet und positiven Anfeuerungen frenetisch den Hügel hinaufgepeitscht. Motivation pur!

Ich möchte hier oben nicht zu viel Zeit verlieren. Also belasse ich es dabei, meine leeren Flasks schnell wieder aufzufüllen. Erst beim Verlassen der VP will ich mich mit einem Gel versorgen. Das Ding wollte dann allerdings nicht so wie ich: Es ließ sich einfach nicht öffnen, platzte dann natürlich doch ruckartig auf und bescherte mir erst einmal extrem klebrige Hände. Nachdem ich den Kampf gegen die Verpackung schließlich gewonnen hatte, konnte ich mich wieder aufs Wesentliche konzentrieren und fand schnell meinen Rhythmus.

Flow und Biergarten liegen oft nah beinander

Über einen richtig schönen, flowigen Trail geht es weiter. Der kurze Downhill hinunter nach Muggendorf macht einfach nur richtig Laune! Der nächste Abschnitt führt uns an der Wiesent entlang, doch auf der anderen Seite des Ufers wird es kurz richtig gemein: Aus einem wunderschönen, voll besetzten Biergarten heraus bejubeln uns die Gäste, während wir den Ort queren. Direkt gegenüber werden unsere Waden dann erst mal von unregelmäßig hohen Steintreppen gequält.

Trotzdem beginnt nun für mich der persönlich schönste Abschnitt des Speedtrails. Landschaftlich und leistungstechnisch fühle ich mich einfach rundum wohl. Vorbei an imposanten Felsformationen spule ich Kilometer um Kilometer ab. Eine kurzfristig eingerichtete Wasserstelle nehme ich dankend an, denn mit zunehmender Renndauer wird es jetzt richtig warm. Nach ein paar netten Gesprächen zwischendurch komme ich schließlich zu einem schnellen Boxenstopp an der zweiten VP an. Ein Helfer hält freundlicherweise meine Stöcke, die Flasks werden erneut gefüllt, ich verdrücke zwei Stücke Melone und mit zwei Salzkartoffeln in der Hand geht es auch schon wieder im Laufschritt raus aus der Verpflegungszone.

VP2 und der Anfang vom Ende

Kilometer 28. Kurz nach unserer zweiten VP ist plötzlich schlagartig der Stecker gezogen. Absoluter Systemabsturz. Ich habe keinen Blick mehr für die wunderschöne Umgebung und die extrem reizvolle Strecke entlang der Ruine Streitburg oder dem Wedenbach-Wasserfall. Auf dem welligen Gelände geht einfach gar nichts mehr.

Der Weg hoch zum Hummerstein wird zu einer absoluten Qual. Bergab rollt es zwar noch einigermaßen, aber geil ist anders. Dabei ist dieser Abschnitt eigentlich ein absoluter Hochgenuss für uns Trailrunner! Doch in diesem Zustand kann ich selbst der echt coolen Szenerie rund um das Felsentor bei Streitberg absolut nichts Schönes mehr abgewinnen. Mein Kopf kennt nur noch ein einziges Ziel: irgendwie ankommen.

Wie lange können 3 km sein?

Der letzte Downhill hinunter nach Gasseldorf läuft wieder halbwegs okay. Raus aus dem Wald und kurz durch das kleine Örtchen. Ab hier sind es leider noch gut 3 Kilometer flach zurück nach Ebermannstadt – und glaubt mir, 3 Kilometer können unendlich lang sein.

In meinem jämmerlichen Zustand erhasche ich im Ort erst einen, ein paar Meter weiter noch einen zweiten Brunnen. Ich verzichte im Vorbeilaufen aber auf eine Abkühlung in der Mittagssonne. (Tage später werde ich erfahren, dass genau dieser zweite Brunnen von den Locals gerne mal zum Eisbaden hergenommen wird – verpasste Chance!). Ich will jetzt einfach nur den Zielbogen sehen. Raus aus dem Ort und weiter. Der Anblick des Kirchturms in weiter Ferne ist eine echte mentale Prüfung, das Ding will einfach nicht näher kommen. Also wieder anlaufen, Zähne zusammenbeißen und versuchen, irgendwie zu funktionieren. Kurz darauf ist dann aber doch wieder Gehen angesagt.

Ortseingang Ebermannstadt. Ich biege um die letzte Kurve. Die Beine laufen jetzt wieder einigermaßen normal. Menschen am Streckenrand, lautes Anfeuern, ein kurzes Lächeln – FINISH!

Den hart erkämpften Finisher-Stein fest im Arm. Gregor am platt, aber glücklich.

Wir sehen uns auf den Trails!

FAQ-Box

Wie technisch ist die Strecke des Speedtrails beim UTFS?

Der Speedtrail bietet eine geniale Mischung. Es gibt extrem flowige, gut laufbare Singletrails und knackige Downhills (wie hinunter nach Muggendorf), aber auch Abschnitte auf Forst- und Feldwegen. Die Anstiege haben es durch die Treppenstufen und wellige Felsformationen absolut in sich, sind aber mit einer soliden Grundkondition und Stöcken super machbar.

Sind Trailrunning-Stöcke auf den 33 km sinnvoll?

Definitiv ja! Mit fast 1.400 Höhenmetern auf 33 Kilometern geht es in der Fränkischen Schweiz oft kurz, aber knackig bergauf. Vor allem im späteren Rennverlauf (wie am berüchtigten Hummerstein) sind Stöcke eine enorme Erlastung für die Oberschenkel und Waden.

Wie ist die Verpflegung auf der Strecke organisiert?

Hervorragend! Die VPs sind bestens bestückt. Neben Wasser und Iso zum Auffüllen der Flasks gibt es Obst (wie Melonen), Riegel, Gels und die unter Ultraläufern heiß geliebten Salzkartoffeln. Bei großer Hitze richten die Veranstalter zudem kurzfristige Wasserstellen ein.

Was hat es mit dem „Finisher-Stein“ auf sich?

Das absolute Markenzeichen des UTFS! Statt einer klassischen Medaille aus Metall bekommt jeder Finisher im Ziel einen einzigartigen, handgemachten Naturstein aus der Region mit dem UTFS-Logo überreicht. Ein echtes Unikat für die Trophäensammlung!

Die Strecke

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Weitere Informationen

Distanz: 34,1 km mit 1333 Höhenmeter
Start / Ziel: Marktplatz – Ebermannstadt

Nützliche Links für euren Besuch beim Ultratrail Fränkische Schweiz

Warst du auch schon mal in der Fränkischen Schweiz unterwegs?

Kennst du das Gefühl, wenn im flachen Finale eines Trailmarathons die Kilometer plötzlich dreimal so lang werden? Und wer hat eigentlich auch schon mal ein Gel-Massaker mit klebrigen Händen erlebt?

Schreib mir deine härtesten oder lustigsten Trail-Momente unbedingt unten in die Kommentare!


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Author

... liebt die Berge. Am liebsten verbringt er Zeit beim Wandern, Bergsteigen oder auf zwei Brettern im Schnee. Im heimischen Taunus auch gerne mit dem MTB und beim Trailrun unterwegs.

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